• SOLUTION 🚀 Was steckt hinter Rewilding?

    Worum geht's?

    Rewilding: ein natürlicher Prozess, bei dem der Mensch… ganz genau, nichts macht (oder zumindest so wenig, wie möglich).

    OK, aber wie genau?

    👉Kurz gesagt: Es geht darum, die ursprüngliche Natur wiederherzustellen und zwar so, als ob wir Menschen die Umwelt nie beeinflusst hätten. 🙈

    👉Ziel ist es, dass wir die Natur wieder sich selbst überlassen können und nicht mehr eingreifen müssen. Es reicht also nicht, nur die Natur wiederherzustellen und zu erhalten.

    Ganz konkret bedeutet das:

    “Wir können einen Teil dazu beitragen, indem wir Kleinigkeiten verändern, wie zum Beispiel Deiche und Dämme entfernen, damit die Flüsse besser fließen können [...] und indem wir Arten ansiedeln, die wegen den Menschen verschwunden sind. Danach müssen wir uns aber zurücknehmen. Die Natur weiß am besten, was für sie gut ist und wie sie sich schützen kann.”
    Laurien Holtjer Pressesprecherin der NGO Rewilding Europe

    Weltweit gibt es schon jetzt viele Regionen, die dieses Projekt umsetzen:

    🌏 Die Global Rewilding Alliance ist ein Netzwerk mit über 125 Organisationen, die auf allen Kontinenten verteilt sind. Sie alle haben sich zum Ziel gesetzt, 100 Millionen Hektar Land und Meer (= so groß wie Ägypten) zu renaturieren!

    🇪🇺 In Europa hat Rewilding Europe bereits 9 Standorte ↓

    Eine Karte, auf der markiert ist, in welchen Ländern es Projekte von Rewilding Europe gibt

    Ist das sinnvoll?

    👉75 bis 95 % der Erde wurden von uns Menschen verändert. Natur bedeutet für die meisten von uns noch immer regelmäßige Pflege und Kontrolle. Aber Breaking News: Eigentlich braucht die Natur uns überhaupt nicht 🙌

    👉Rewilding bedeutet, dass wir unsere Einstellungen überdenken müssen. Die oberste Regel ist es, darauf zu vertrauen, dass die Natur sich selbst regulieren kann und wir nicht immer gebraucht werden (ja, das tut dem Ego schon kurz weh).

    👉Bei der Renaturierung eines Gebietes geht es vor allem um den Schutz der wildlebenden Tierwelt. In Italien fokussiert sich Rewilding Apennines zum Beispiel auf den Erhalt des Marsischen Braunbären, eine vom Aussterben bedrohte Tierart, die aus der Region kommt.

    “Bären ernähren sich hauptsächlich vegetarisch, von Beeren und Früchten. Durch ihren Verzehr können sich die Samen über weite Teile des Landes verbreiten.”
    Angela Tavone, von Rewilding Apennines

    Eine Italienkarte, auf der Rom und die Apenninen eingezeichnet sind

    👉Es kommt aber auch immer wieder zu Uneinigkeiten zwischen den Vertreter:innen des Rewildingkonzeptes und den Einheimischen 😬 Gründe dafür: Die Inanspruchnahme von Ackerland, die Wiederansiedlung von gefährlichen Tieren, das Gefühl, nicht berücksichtigt zu werden...

    👉Um die Natur in einem Gebiet wieder herstellen zu können, muss dieses vor äußeren Einflüssen geschützt werden. Die einfachste Lösung wäre es, diese Bereiche zu kaufen. Aber ist es wirklich sinnvoll, wenn Privatpersonen und Organisationen (oft auch aus dem Ausland) so easy das Land der EInheimischen aufkaufen können?

    Was meinst du?
    • Bin eher dafür: Ist ja für einen guten Zweck!
    • Bin eher dagegen: Das ist nicht fair...

    👉Wie hoch ist das Risiko, dass eine solche Renaturierung “schiefgeht”? Mit dieser Frage beschäftigen sich viele seit der Story von Oostvaardersplassen.

    [Geschichtsmodus ein] Oostvaardersplassen ist ein über 5000 Hektar großes Naturreservat: Es wurde 1983 in den Niederlanden 🇳🇱 angelegt. Zu Beginn war das Projekt ein Riesenerfolg: Viele Tierarten konnten in Freiheit leben. Doch da es keine Raubtiere gab, vermehrten sich die Pflanzenfresser (Hirsche, Ochsen, Pferde) immer weiter, bis es massiv an Nahrung fehlte. Im Winter 2018 sind dadurch 3.500 Tiere verhungert.

    Zwei Sichtweisen treffen aufeinander: Die einen sind der Meinung, dass das Experiment Folter für die Tiere war und man sie hätte füttern sollen (oder das Experiment abbrechen) 🆚 die Anderen argumentieren, dass Leid und Tod Teil der Natur sind und daher nicht eingegriffen werden sollte.

    Auf welcher Seite bist du?
    • Das ist Tierquälerei 😡
    • Traurig, aber so läuft das Leben 🤷

    🧐 Und jetzt?

    👉Das Hauptproblem beim Rewilding ist der fehlende Support durch die lokale Bevölkerung. Ein Lösungsansatz: Zuhören, erklären und mit einbeziehen. “Rewilding bedeutet nicht, eine “reine” Wildnis zu schaffen und die Menschen komplett auszuschließen”, betont Laurien Holtjer.

    In Italien hat Rewilding Apennines gemeinsam mit anderen NGOs und lokalen Organisationen bereits einige Regelungen aufgestellt, um Konflikte zu vermeiden:

    🚨 Vorbeugende Maßnahmen (Verteilung von Zäunen und Toren zum Schutz vor Bären, Errichtung von Biotopverbunden*...).

    💬 Ausbildung von “Bärenbauftragten”, die die Menschen vor Ort über das Thema aufklären.

    🥾 “Rewilding-Trips”, um anderen Menschen das Projekt vorzustellen und sie dafür zu begeistern.

    👉Rewilding funktioniert übrigens auch schon auf kleineren Flächen. Eine verwilderte Ecke im Garten, ein unbebautes Grundstück...

    👉Interessiert dich das Thema? Die European Young Rewilders bieten jungen Europäer:innen die Möglichkeit, sich auf Facebook und über Slack darüber auszutauschen. Hier gibts noch mehr Infos!

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    🔍 Was bedeutet...

    Biotopverbund: Ein Verbund zwischen mehreren Biotopen um die biologische Vielfalt zu sichern.

    👀 Quellen

    🐳🦋 Von Pauline Vallée und Julia Paasch