• KONTEXT 😎 Jede Tonne zählt! Wie viel CO2 dürfen wir noch ausstoßen?

    Unsere Welt soll sich um maximal 1,5°C erwärmen. Darauf haben sich fast alle Länder im Pariser Klimaabkommen geeinigt. Sie haben versprochen, alles zu unternehmen, um die Erderwärmung bei 1,5°C zu stoppen und auf jeden Fall „deutlich unter 2°C“ zu begrenzen.

    Selbst dieser scheinbar kleine Unterschied macht eine Menge aus: Schon bei 2°C (statt 1,5°C!) gibt es ein deutlich höheres Risiko für:

    👉 das Erreichen von Kipppunkten*, die wir nicht mehr stoppen können (z.B. das Auftauen von Permafrost)

    👉 Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen

    👉 einen so starken Anstieg des Meeresspiegels, dass die Inselstaaten im Pazifik untergehen

    👉 Nahrungsmittel- und Wasserknappheit

    👉 die Versauerung* der Ozeane und Meere

    👉 das Abschmelzen des ewigen Eises (Polkappen)

    Mit CO2-Budgets die Klimaziele erreichen

    Klar ist: die weltweiten CO2-Emissionen müssen drastisch sinken, um die Pariser Klima-Ziele zu erreichen. Denn es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen dem von uns ausgestoßenen CO2 und dem globalen Temperaturanstieg. Damit die Länder ihre Klimapolitik am 1,5°C-Ziel ausrichten können, berechnen Klimawissenschaftler:innen, wie viel Treibhausgase überhaupt noch in die Atmosphäre gelangen dürfen. Einfach damit wir wir wissen, wann Schluss ist 🚯

    Das Ziel sind 1,5°C - wie viel CO2 können wir weltweit noch ausstoßen?
    • 400 Gigatonnen
    • 700 Gigatonnen
    • 1150 Gigatonnen

    Diese Menge hat der Weltklimarat (IPCC) berechnet. Das ist das verbleibende weltweite CO2-Budget ab dem Jahr 2020. 400 Gigatonnen klingen erst mal viel, oder? Allerdings werden jedes Jahr weltweit rund 42,2 Gigatonnen CO2 ausgestoßen. Das heißt, wenn wir einfach so weiter machen wie bisher, ist das Restbudget für 1,5°C schon vor 2030 aufgebraucht! 😳 Die Uhr für wirksame Klimapolitik tickt…

    Wie werden die CO2-Budgets für die einzelnen Länder berechnet?

    Wie das weltweite Budget auf die einzelnen Länder aufgeteilt wird, ist weniger eine Frage der Mathematik als vielmehr eine Frage der Gerechtigkeit. Reiche Länder haben die Klimakrise maßgeblich verursacht, ärmere Länder leiden aber am stärksten unter den Folgen. Ein CO2-Budget, das auf den historischen Klimaschulden beruht, ist schon gar nicht mehr möglich. ❌ Diese Grenze haben die Industriestaaten schon längst überschritten, weil sie schon viel zu viel ausgestoßen haben.

    Leider konnten sich die Staaten bisher nicht einigen, wie sie das weltweite CO2-Budget dann stattdessen verteilen wollen. Deshalb kann jedes Land selbstständig entscheiden, was es als seinen fairen Beitrag ansieht.

    Eine Möglichkeit ist das Restbudget gleichmäßig auf alle Menschen der Welt zu verteilen und anhand der Bevölkerungszahl ein Budget für jedes Land zu berechnen. Jeder Mensch hat so theoretisch ab dem Jahr 2016 und mit dem Inkrafttreten des Pariser Klima-Abkommens die gleiche Menge CO2 zur Verfügung.

    Wie groß wäre dann das deutsche CO2-Budget?

    Die deutsche Bevölkerung macht 1,1% der Weltbevölkerung aus. Fürs deutsche CO2-Budget bedeutet das…

    👇

    Tabelle mit Budget für Deutschlands CO2

    Wenn also alles so weiter geht wie bisher, haben wir schon ab 2023 unseren Anteil für realistische 1,5°C aufgebraucht. Crazy, oder? 🙈

    ……………….


    🥜 In a nutshell

    CO2-Budgets sind ein wichtiges Instrument, um die Pariser Klimaziele zu erreichen, denn:

    👉 Sie übersetzen die Ziele in konkrete Zahlen, die Orientierung für die Klimapolitik geben.
    👉 Wie das Restbudget weltweit verteilt wird, ist vor allem eine Frage der Gerechtigkeit.

    Aber: Deutschland muss viel mehr tun, um seinen fairen Anteil zu leisten.


    🧐 Und jetzt?

    Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) empfiehlt der Regierung deshalb:

    💡 Ein Paris-kompatibles CO2-Budget zur Grundlage der eigenen Klimaziele und Maßnahmen zu machen. Was bisher nicht passiert ist.

    💡 Den Ausbau der erneuerbaren Energien so schnell umzusetzen, dass alle fossilen Energien in Übereinstimmung mit dem Budget abgeschaltet werden können.

    💡Nicht von einem CO2-Budget auszugehen, das wir nur durch mögliche zukünftige Technologien (z.B. Filter, die CO2 aus der Luft entfernen) erreichen können.

    ……………

    🔍 Was bedeutet…

    Kipppunkte: Kritische Schwellenwerte, bei deren Überschreiten es zu starken und teils unaufhaltsamen und unumkehrbaren Veränderungen kommt, die das Weltklima beeinflussen und den Klimawandel schlagartig verstärken. Ein Beispiel ist das Auftauen der Permafrostböden, was so viel Kohlenstoff freisetzen würde, dass der Klimawandel sich stark beschleunigen würde. Mehr: Kipppunkte im Klimasystem - Update 2019.pdf (pik-potsdam.de)

    Versauerung der Meere: Der natürliche Säure-Base-Haushalt verändert sich, mit fatalen Folgen für viele Meereslebewesen


    👀 Quellen

    Sachverständigenrat für Umweltfragen
    IPCC
    Bayrischer Rundfunk
    Spektrum der Wissenschaft
    Konzeptwerk Neue Ökonomie
    #showyourbudget


    🐇 Von Ronja Morgenthaler